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15.10.2010 (MZ) - Geduld und Vertrauen

BeitragVerfasst: So 17. Okt 2010, 15:53
von Carlos
Geduld und Vertrauen
VON GOTTFRIED SCHALOW

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Beim Abendtraining schwört Trainer Torsten Weber seine Spieler ein. (FOTO: MZ)

HALLE (SAALE)/MZ. Irgendwie schien am Donnerstag so ziemlich jeder, dessen Herz am VfL 96 hängt, im Stadion am Zoo zu sein. Jeder schien sich selbst ein Bild darüber machen zu wollen, wie die Mannschaft mit ihren sportlichen Problemen klar kommt. Schreien die sich nun plötzlich auf dem Trainingsplatz an? Gibt es da jemanden, dem der Schwarze Peter zugeschoben wird? Macht der Trainer einen nervösen Eindruck?

Nichts von all dem gab es zu entdecken. Stattdessen war Entschlossenheit spürbar. Gleich ganz zum Anfang der Trainingseinheit, als sich die Mannschaft im gespenstischen Halbdunkel um ihren Trainer herumgruppierte und sich für das Heimspiel am Sonntag gegen die zweite Mannschaft vom 1. FC Magdeburg stark redete. Da steht der VfL 96 unter Erfolgszwang, mit drei Punkten wäre der Anschluss an das Tabellenmittelfeld der Oberliga hergestellt.

"In den letzten beiden Jahren ging es bei uns immer nur aufwärts. Jetzt stehen wir plötzlich auf einem Abstiegsplatz. Wir müssen auch erst lernen, wie wir mit dieser Situation umgehen", sagt Präsidiumsmitglied Andreas Jahnecke. Deswegen hat das Präsidium im Laufe der Woche auch mit Trainer Torsten Weber lange zusammengesessen. Mit dem Ergebnis: "Nichts wäre dümmer, als jetzt auf Panik zu machen. Der Trainer hat in den letzten Jahren fast alles richtig gemacht. Wir vertrauen ihm und der Mannschaft auch weiterhin", sagt Vize-Präsident Volkmar Knoll.

Weber wirkt bei all dem gelassen, genauso wie in erfolgreicheren Zeiten. "Natürlich hat sich in meinem Innenleben in den letzten Wochen einiges verändert. Ich schlafe ein bisschen schlechter, grüble viel länger über scheinbar ganz kleine Details. Aber deswegen spiele ich jetzt nicht Rumpelstilzchen an der Seitenlinie, da würde ich nur die Konzentration auf das Wesentliche verlieren", sagt er und schmunzelt dann über sich selbst. "Stimmt nicht, letztes Wochenende in Sandersdorf habe ich mir aus lauter Frust den kleinen Fingernagel abgerissen. Tat höllisch weh, hat aber zum Glück keiner von meinen Spielern bemerkt."

Jahnecke erinnert an diesem Abend noch mal an die Ansprüche des Vereins: "Wir empfinden unsere Situation nicht als bedrohlich. Wir sind ja nicht größenwahnsinnig. Mit unserem Spielerstamm mussten wir von Anfang an damit rechnen, dass wir gegen den Abstieg kämpfen müssen." Ein Sieg gegen Magdeburg wäre dennoch Gold wert, es wäre auch ein Sieg für Geduld und Vertrauen.


Quelle: http://www.mz-web.de
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